Mein handyfreier Tag

Mein handyfreier Tag

Heute Morgen habe ich ziemlich eilig die Wohnung verlassen und erst im Bus gemerkt, dass mein iPhone immer noch angedockt an den Strom zuhause liegt und vor sich hin vibriert. Im ersten Moment befiel mich eine leichte Panik. «Huuuch, was mache ich nun – wie checke ich meine ÖV-Verbindungen, was ist wenn die Person, welche ich treffen wollte nicht kommt und was ist mit dem Nachmittags-Meeting.» Für dieses Meeting habe ich nicht einmal die abgemachte Uhrzeit bestätigt, das wollte ich im Bus nachholen. Ausserdem bin ich immer ohne Uhr unterwegs. Für das hat Frau ja ein Handy.

Tja, da sass ich nun und fühlte mich etwas leer und alleine;-)) «Okay tief durchatmen, das wird schon. Vor ein paar Jahren kamst du ja schliesslich auch ganz ohne digitale Vernetzung mit der ganzen Welt klar. Du schaffst das!»

Nun hatte ich reichlich Zeit, all die Menschen um mich herum zu beobachten und die Landschaften und Häuser welche an mir vorbeizogen. Fast alle im Bus starten auf ihre rechte Hand in der sie ihr Handy umklammerten. «Komisch», dachte ich, «so sitze ich oft auch im Bus und Zug.» Ich zauberte ein Lächeln auf mein Gesicht und plötzlich lächelte mir mein Gegenüber auch zu. «Ach das ist ja wundervoll, ich werde wahrgenommen.» Je mehr ich lächelte und die Menschen um mich herum anschaute, desto so lockerer wurde ich und viele Reisende reagierten auf meine fröhliche Stimmung. Ich fühlte mich richtig abenteuerlustig. Hätte ich echt nicht gedacht, dass ich mich ohne mein Handy so frei und unabhängig fühlen würde.

Das erste Treffen im Restaurant verlief ähnlich. Ich war etwas zu früh da und hatte kein digitales Spielzeug um mich zu beschäftigen. Also begnügte ich mich mit stillem Beobachten und Lächeln. Und siehe da, auch hier wurde ich angeschaut und es wurde zurückgelächelt. Meine Begleitung kam pünktlich an meinen Tisch und ich konnte mich vollumfänglich auf ein erfülltes Gespräch und ein feines Mittagessen einlassen. Kein Vibrieren und Gebimmel; einfach im Jetzt sein und geniessen.

Am Nachmittag für den zweiten Termin wurde es schon schwieriger. Fragen wie «Kommt die Person trotzdem, obwohl ich ihr die Uhrzeit nicht bestätigt hatte?» waren angesagt. Und siehe da, die Person kam und weisst Du was sie mir als Erstes sagte: «Sorry, ich habe mein Handy zuhause liegen gelassen. Ich habe mir schon Sorgen gemacht, ob du überhaupt kommst.» Das war also wirklich ein grosser Lacher wert, oder?

Als ich dann am Abend nach Hause kam, war meine Combox besprochen und viele Kurznachrichten waren auf dem Display zu sehen.

Mein erster Gedanke war: «Schau dir alles an und hör ab, wer dich gesucht hat.» Mein zweiter Gedanke: «Lass es sein und zieh es doch durch bis zum nächsten Morgen. Es bringt heute Abend ohnehin nichts mehr.»

Mein Fazit: Ab und zu einen handyfreien Tag einlegen, das befreit und schenkt einem Freigeist.

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